ANGEDACHT
Liebe INSEL-Freunde,
in wenigen Wochen feiern wir das Reformationsfest. Das Wort „Reform“ oder „Reformation“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Erneuerung“ oder auch „Wiederherstellung“. Etwas, das nicht mehr dem entspricht, wie es ursprünglich sein sollte, soll erneuert bzw. zum Ursprünglichen zurückgebracht werden.
Dass das Reformationsfest in der herbstlichen Jahreszeit stattfindet, hat neben dem Thesenanschlag Luthes am 31.10.1517 in Wittenberg seinen guten Grund. Im Herbst fallen die Blätter. Pflanzen und Tiere bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vor. Es findet in der Natur ein Umbau statt, der erst einmal mit Sterben zu tun hat. Blätter, Blumen, Gras welken, Tiere gehen in den Winterschlaf oder sterben. Das alles ist nötig, damit im Frühjahr Pflanzen mit neuer Kraft frische und unverbrauchte Blätter und Blüten hervorbringen können, Tiere neu geboren werden oder schlüpfen. Nach dem Herbst und Winter wird also die Natur reformiert – erneuert und wiederhergestellt. Die Zeit dorthin ist allerdings mit Schwierigkeiten und sogar mit Absterben verbunden. Ohne Absterben und Loslassen scheint es keine Erneuerung zu geben.
Könnte das vielleicht ein wichtiger Hinweis für alle Bereiche unseres Lebens sein, in denen wir uns eine Erneuerung wünschen? Könnte es sein, dass erst einmal Strukturen, Gesetze und Lebensweisen in Gesellschaft, Kirche und im privaten Leben, die nicht mehr hilfreich und zielführend sind, zu Ende gehen, absterben müssen, damit mit neuer Kraft wieder etwas so entsteht, wie es ursprünglich gedacht ist?
Auch wenn der Weg dahin schmerzhaft sein könnte und damit zu tun hat, dass wir vielleicht Liebgewordenes loslassen müssen, glaube ich, dass sich das im Blick auf das Ergebnis der Erneuerung lohnen könnte.
Jesus selber hat uns Erneuerung vorgelebt, als er den schmerzhaften Weg des Todes gegangen ist, um dadurch erneuertes Leben entstehen zu lassen. Und er hat diesen Weg der Erneuerung mit dem Weg durch die Jahreszeiten verglichen: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)
Ich wünsche euch und mir, dass die Erneuerung, die durch Jesus möglich ist, uns in unserem Leben jeden Tag prägt.
Euer Heiko